library
of transformed information
300 x 200 / 300 x 400 [cm]
2003 Literaturhaus Graz
2004 A9 forum transeuropa, quartier 21 MuseumsQuartier Wien
(Beitrag des Landes Steiermark 2004)
2005 Bibliothek anders / Wundersames und Transformiertes
Benediktinerstift Admont
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library of transformed information | literatur (h)aus graz | 2003
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Eine
neu formatierte Bibliothek
von Werner Fenz |
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Wolfgang Becksteiner verformt Bücher: auf einer äußeren
und einer inneren Zugangs- und Rezeptionsebene. In einem kontinuierlichen
Prozess, der 365 Tage andauerte, praktizierte er eine nach umfangreichen
Konzeptstudien entwickelte Methode, diesen Formungsprozess sowohl
inhaltlich als auch technisch zu bewältigen: 10 Bücher pro
Tag. Von Sammlern, Antiquaren und Freunden ließ er sich das
Material - 3650 gelesene Bücher, publiziert von 1800 bis heute
- bereitstellen. Mit Akribie und Geduld ausgestattet wurde ein zu
immer weiterer Perfektion entwickelter Arbeitsprozess in Gang gesetzt:
Das umfangreiche Textarchiv aus mehreren Jahrhunderten durch Zerreißen
und Pressen der Schnipsel in die ursprüngliche Form des Buches
visuell und inhaltlich neu zu ordnen.
Mit diesen klar festgelegten Parametern siedelt sich das Projekt auf
einem eigenständigen Terrain an. Einer der wesentlichen Faktoren
liegt dabei in der Aktivierung der Zeitebene und damit verbunden in
einer stringenten Kontinuität in der Zeit. Die Entscheidung,
einen überschaubaren und unprätentiösen Zeitraum zu
wählen, lässt das Moment einer künstlerischen Tagesarbeit
und als Konsequenz daraus ein ausschnitthaftes "Aufarbeiten"
nicht nur beiläufig, sondern bestimmend in die Rezeption mit
einfließen. Von diesem Punkt aus weist eine auch sinnlich erfahrbare
Strategie, nicht nur eine vage Allusion, auf das Archiv, auf den Speicher
als Ort aller je verfassten Texte hin. Sobald die Speicherfunktion
ins Spiel kommt, öffnet sich der Blick automatisch auf eine der
wesentlichsten Fragen unserer gegenwärtigen Kultur: Wie und wo
bleiben die Ergebnisse menschlichen Denkens, ob im philosophischen,
literarischen oder wissenschaftlichen Feld, erhalten. Die großen
Bibliotheken sehen sich mit dieser Problematik ebenso konfrontiert
wie die kleinen Amtsstuben. |
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library of transformed information | literatur (h)aus graz | 2003
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| Mit der Perfektionierung der "Lesegeräte", dem permanenten
Ausbau des Informationspools gingen schon seit Beginn des digitalen
Zeitalters die Ängste einher, das Buch werde aus der Kultur verschwinden.
Auch wenn zu diesem Zeitpunkt eine nicht so geringe Anzahl von "Buchobjekten"
- die Terminologie ist bis heute nicht eindeutig ausdifferenziert
- unter anderem auch diesem Vormarsch des elektronischen Buches und
der Furcht vor dem Verschwinden des traditionellen, gedruckten Exemplar
ihre Entstehung verdanken, und auch wenn sich diese Befürchtungen
nicht bewahrheitet haben, sehen Künstlerinnen und Künstler
im Textspeicher Buch nach wie vor eine große Herausforderung.
Neben dem Zeitfaktor stellte Wolfgang Becksteiner eine weitere Regeln
in seinem Konzept auf: Das einzelne Exemplar bleibt in Größe
und Form weitgehend erhalten. Wenn wir die Ergebnisse dieses langwierigen
Arbeitsprozesses näher betrachten, stehen wir vor Bücherregalen
mit 3650 Büchern in unterschiedlichen Formaten: Sie sind durchlaufend
nummeriert, wie sie im Atelier des Künstlers aus der Hand der
Spender einlangten, besitzen keinen Umschlag dafür eine Signatur.
Einerseits durch die bisher wohl größte Anzahl verarbeiteter
Bücher, andererseits konzeptuell bestimmt, gibt es keinen Fokus
auf das eine oder andere Buchsegment: Philosophie, Literatur, Belletristik
und Sachbücher sind so gleichwertig vertreten wie sie von außen
in das Projekt eingebracht wurden und daher als einzelne Auseinandersetzung
inhaltlich nicht relevant (wenn wir in Vergleich dazu Hegels Gesamtwerk
oder Packards "Die geheimen Verführer" in der Bearbeitung
von Dieter Roth bzw. Daniel Spoerri setzen). Im Zerreißen der
Bücher, in der Vermengung der Schnipsel mit Leim und im anschließenden
Pressen mit Hilfe der zahlreichen selbst angefertigten Rahmenformen,
um die ursprüngliche Größe wieder exakt herstellen
zu können, sind nur leicht und dennoch entscheidend verfremdete
Mechanismen buchbinderischer Techniken enthalten. So steht nicht der
Gestalttransfer (wie etwa bei Franz Erhard Walther oder Dieter Roth)
im Vordergrund, sondern die Verweigerung der ursprünglichen |
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library of transformed information | literatur (h)aus graz | 2003
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| Benutzbarkeit.An die Stelle der funktionellen Ebene
tritt unter der gewahrten Voraussetzung nicht veränderter inhaltlicher
Identität das Erlebnis der "anderen" Form. Form bezeichnet
hier nicht das Zusammenspiel von Maßeinheiten - sie ist vielmehr
ein Paradigma der Substitution Desselben durch ein Gleiches. Neben
den neu erzeugten haptischen Qualitäten wird unser Realitätssinn
in der Weise beansprucht, dass er auf die nicht deutlich beschilderte
Umleitungsstrecke ungewohnter semantischer Bezüge gerät
und jenseits des breiten Autobahnbandes nach Orientierung sucht. Denn
einerseits sind die Buchtexte erhalten, kein Wort fehlt in der "Neuauflage",
andererseits ist der herkömmliche Sinn verloren gegangen und
dennoch gibt es den "Mehrwert" in der gleichen Gestalt.
Wenn an dieser Stelle an den Systemtheoretiker Niklas Luhmann erinnert
wird, dann deshalb, weil er zwischen Information und Mitteilung unterscheidet
und damit ein zentrales künstlerisches Paradigma charakterisiert:
"Entscheidend ist, dass, wie bei aller Kommunikation, die Differenz
von Information und Mitteilung den Ausgangspunkt bildet, an den weitere
Kommunikation künstlerischer oder sprachlicher Art anschließen
kann" . Über die Differenz kann Wolfgang Becksteiner den
großen Akt einer neu formatierten Bibliothek in Szene setzen.
Mit seinem Interesse an Gestaltverschiebungen, bei denen identes Material
die wesentlichste Rolle spielt, reiht er sich in international relevante
künstlerische Strategien ein, die kulturell oder gesellschaftlich
determinierte Ausgangspunkte wählen, um über die "Mitteilung"
erweiterte und neue Orientierungspunkte auszumachen. Diese treten
als Ergebnis der Kunst-Handlung in Form von Interventionen an die
Stelle vorwiegend emotional geprägter Inventionen. Die 3650 Bücher
sprechen eine sich im "Lesen" immer aufs Neue verändernde
Sprache und schlagen - Buch für Buch - gerade im verschlossenen
Zustand der Außenform das komplexe Kapitel kommunikativer Inhalte
auf. |
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library of transformed information | literatur (h)aus graz | 2003
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